Madagasikara Namako: Ein Freundeskreis zur Unterstützung sozialer und kultureller Projekte in Madagaskar

Stand Dezember 2021/ Januar 2022:

Seit dem 20.3.20 war wg. Corona der normale Flugverkehr unterbrochen. Nach 8 Umbuchungen konnten wir am 6. November 2021 mit dem ersten kommerziellen Flug der Air France nach Madagaskar zurückfliegen. Die Wochen bis Weihnachten erlaubten die Erledigung der wichtigsten Rückstände. Ab Januar 2022 werden wir voraussichtlich weitgehend normal arbeiten können. Wegen einer derzeit verstärkten Coronawelle (v.a. Delta-Mutante) dürften einige Restriktionen erhalten bleiben, allerdings scheint man eine erneute Abschottung des Landes auf jeden Fall vermeiden zu wollen.

 

 

 Es gibt viel zu tun auf Madagaskar…


Madagaskar, Inbegriff der Tropen, des Urwalds und der Exotik, ist ein "kleiner Kontinent" mit sehr verschiedenen Klimagebieten, vom tropischen Regenwald über Gebirgsregionen bis zu Savannen und Halbwüsten. Die Trennung von Afrika vor 160 Mio und von Indien vor 80 Mio Jahren ließen eine ganz eigenständige Flora und Fauna entstehen.

Seit etwa 1500 bis 2000 Jahren wurde es in mehreren Wellen von Menschen besiedelt. Auf dem Hochland finden sich Nachfahren indonesischer Seefahrer, die Bewohner der Küste sind überwiegend afrikanischen Ursprungs. Die begabte Bevölkerung ist lernfreudig und hatte bei der Unabhängigkeit (1960 nach frz. Kolonial-herrschaft) eine gut ausgebildete Mittelschicht.

Die madagassische Hochsprache hat indonesische Wurzeln. Sie wird im ganzen Land verstanden, die regionalen Dialekte weichen aber oft stark ab. Noch etwa 5% der Bevölkerung sprechen gut Französisch. Der fremde Reisende ("Vazaha") wird traditionell freundlich empfangen.

  Nach Unruhen 1972 und folgendem Regimewechsel lag das Land jahrzehntelang im Dornröschenschlaf eines sich sozialistisch (später ökologisch) nennenden autokratischen Regimes. Die Bevölkerung – bei einer der höchsten Wachstumsraten der Welt und 30 Jahre lang stagnierender oder sinkender Wirt-schaftskraft – verarmte immer mehr. Noch heute sind die Löhne extrem niedrig – der Mindestlohn beträgt etwa 20,- Eur/Monat, ein Arbeiter verdient um die 1,5 Eur/Tag.
   Rund die Hälfte der auf über 25 Millionen angewachsenen Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche.
Nach einem dramatischen Machtwechsel 2002 versuchte eine zunächst marktwirtschaftlich orientierte Regierung den Entwicklungsrückstand aufzuholen. Die Wachstumsraten waren vielversprechend, auch gestützt von bedeutender internationaler Hilfe. Doch spürte die Masse der Bevölkerung zunächst wenig von den Erfolgen. In mehreren Gruppen wuchs die Unzufriedenheit. 2009 kam es zu einem blutigen Putsch, gefolgt von einer jahrelangen, beispiellosen Ausplünderung des Landes. Die Entwicklung wurde um viele Jahre zurückgeworfen, das politisch instabile Land zählt seither zu den ärmsten Staaten der Welt.

80 - 90% der Bevölkerung gelten als extrem arm.

  Hinzu kommen jahrzehntelanger Schlendrian, generalisierte Korruption und massive Veruntreuungen, besonders in Politik, Justiz und Ordnungskräften, sowie eine rapide abnehmende Schulbildung, eine noch nicht an die Erfordernisse modernen Wirtschaftens angepasste Mentalität  und die Wucht der Global-isierung. Sie  erschweren es extrem, konkurrenzfähig zu werden und den Lebensstandard anzuheben.

 Bei der Arbeit auf so vielen „Baustellen“ bleiben für viele soziale und kulturelle Problembereiche wenig Zeit und Mittel übrig.

Ein solcher Bereich sind die Haftbedingungen in den Gefängnissen, seit Jahren von Organisationen wie dem Internationalen Roten Kreuz oder der EU beanstandet. In 12 Haftanstalten hat Madagasikara Namako e.V. im Rahmen seiner Arbeit zur Förderung des Lesens rund 20 Bibliotheken eingerichtet, die über Jahre betreut und allmählich in die Verantwortung der Strafverwaltung übergeben werden.

 Ein anderer Schwerpunkt sind  Kinderbüchlein mit traditionellen madagassischen Märchen in der Muttersprache, die die Freude am Lesen in frühem Alter wecken sollen. Sie sind in kurzer Zeit  zu den erfolgreichsten Kinderbüchern des Landes geworden. 2019 wurde die Gesamtauflage von 100.000 überschritten.

Hinzu kommen seit 2015 traditionelle Kinderlieder in Text und Ton.

Der Erfolg der Kinderlied-CD führte zu einem Programm "Singen in der Schule" in Form von kostenlosen Kurzseminaren für Lehrer in Vor- und Grundschulen. Die Seminare werden seit 2017 zusammen mit einer Musikschule in Antananarivo angeboten.